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Einseitige, asoziale Medien

29 Kommentare

Leute ich weiß, Ich hab schon ein paar mal angefangen solch einen Beitrag zu schreiben und es dann doch gelassen. Ich muss aber mal ein paar Gedanken loswerden, weil mich das stark beschäftigt, ihr kennt mich. Angerissen hab ich das in den letzten Monaten schon öfter mal, aber momentan fällt mir wieder häufig auf, wie sich das Social Web verändert hat. Ich meine nicht die Plattformen, Apps und Features. Ich meine die Kommunikation zwischen den Nutzern, zwischen uns allen. Es ist einseitiger geworden. Der soziale Teil wird immer weniger spürbar. Klar, es gab schon immer die, die lieber gelesen und zugeguckt haben, die eher mal ’ne Mail oder PM geschickt haben als öffentlich zu kommentieren oder zu liken. Es gab auch immer schon die, die mehr rausgepustet haben als sich umzusehen, was der Rest der Community so treibt. Alles gut, jeder so, wie er meint und kann. Aber das Gleichgewicht ist irgendwie abhanden gekommen. Deutlich spürbar ist das für mich bei Snapchat und Instagram Stories. Einige pumpen dutzende von Stories pro Stunde in ihren Kanal, reagieren aber weder auf Antworten noch schauen sie sich die Stories von anderen an. Reines Ego-Ding.

Ich hab auch Phasen, wo ich viele Selfies mache oder den Drang hab offen über alles mögliche und mir Scheiße von der Seele zu schreiben. Ich habe aber immer eingeladen zu antworten, zu ergänzen, wollte und brauchte immer Reaktionen.

Heute hab ich zum ersten Mal gesehen, dass jemand offenbar partout keine Antworten empfangen will – von mir nicht oder von allen nicht, kann man nicht sehen – jedenfalls ist unten links bei seinen Stories das „Nachricht senden“ nicht zu sehen. Bei einem der ersten aus der „alten Web-Szene“, schon Jahre sehr aktiv in meiner Filterblase, auch beruflich. Jemandem, den ich persönlich kenne und schätze. Ich bin immer noch sehr erschrocken auch wenn ich die Hintergründe nicht kenne. Das ist doch wie „lasst mich in Ruhe mit euern Kommentaren“. Andere, …viele antworten einfach nicht, aber direkt die Schranke vorzuschieben ist schon heftig.

Aber es ist nicht nur das. In Blogs wird die Kommentarfunktion deaktiviert oder Kommentare versteckt. Barcamps werden verkommerzialisiert oder der Name zweckentfremdet für Veranstaltungen, die nichts mit freiem Wissensaustausch zu tun haben. Immer weniger Startups scheinen aufzublühen und Interesse zu wecken. Mir ist glaube ich niemand bekannt, der selbst noch ne coole WebApp raushaut. Noch vor 8-10 Jahren war das mindestens einmal wöchentlich so und alle paarhundert Early-Adopter rund um pl0g usw. waren in Minuten am Start. Es hat 16 Minuten gedauert bis alle Barcamp-Köln-Teilnehmerplätze belegt waren. Minuten. Und nein, nicht Kauftickets für nen Zwanni.

Was ist denn los? So lange ist das doch noch gar nicht her, dass wir alle so euphorisch waren. Sind wir zu alt geworden? Selbst zu sehr im Business-Kasper-Flow? Ist die Angst um die Privatsphäre schuld? Ist es Müdigkeit, Überlastung, Reizüberflutung? Is it just me?

Ich weiß nicht. Ich weiß nur, dass ich das alte Social Web vermisse.

Lasst mich doch wissen, wie ihr das seht.

 

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  1. Ich denke, es ist einfach zu viel geworden. Facebook liken, Herzchen bei Instagram, Kommentare hier, Kommentare da. Es ist eine regelrechte Flut und man hat keine Zeit, keine Lust zu reagieren. Ich verliere ehrlich gesagt selber den Überblick, weil sich alles so schnell ändern. Jetzt hat Instagram die Stories, ich brauche sie nicht, schaue bei anderen eher selten bis nie rein. Snapchat fanden die Jungs toll 😉 aber für mich hatte es keinen Nutzen. Vielleicht bin ich da mittlerweile auch schon zu alt?

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    • Dass man selektiert und nicht (mehr) alles mitmacht ist klar. Aber du z.B. teilst nicht Unmengen und verschließt dann die Tür. Hab ich bei dir noch nicht erlebt.
      Ich glaube es läuft heute viel mehr nach (Eigen-)Nutzen und Strategie, statt nach Bauchgefühl. Man hat Kontakte, weil sie einem nutzen, nicht weil man sie mag.
      Bin zu müde grade. Morgen mal weiterdenken.
      Danke!

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      • Ja, den Eindruck habe ich auch. Als Instagram die Stories rausgehauen hat, war ich im Urlaub. (Da ich mit Snapchat noch nie warmgeworden war, hab ich mich über Instagram gefreut.) Fast zeitgleich zu der Veröffentlichungs-Meldung kam dann gleich das erste „nutze Stories für dein Business“-Ding. Das erinnert mich dann immer daran, dass ich noch diese vielleicht einfältige Vorstellung habe, etwas zu teilen, wenn mir danach ist und mich dann auch über Reaktionen zu freuen. Nicht alles vorher zu planen, abzuschätzen und zu kalkulieren. Aber das ist eher die Richtung … Ich denke, wir sind in einer Zeit ins Netz gekommen, als es noch was zu entdecken gab. Ein guter Teil meiner Artikel und auch meines Buches war Neugier, Ausprobieren, öffentlich Nachdenken. Damals war der Ton auch noch ein anderer. Heute? Alles muss gleich hochglanzperfekt sein. Das Frühstück sieht aus wie aus der Werbung. Laaaangweilig … Naja, ganz so nicht, aber eben auch nicht mehr wirklich authentisch und spontan. Obwohl das ja genau das ist, was man uns einreden will – mit all den Videos und „jetzt live“ Möglichkeiten. Es ist halt in den seltensten Fällen die Kommunikation, die wir „früher“ hatten, dazu ist es jetzt zu zerstreut und auf zu viele Apps und Plattformen verteilt.

        Wahrscheinlich bin ich zu alt, aber eben auch auf eine andere Art mit dem Netz verwachsen.

        Bei mir persönlich schwankt das sehr. Manchmal möchte ich viel teilen, dann wieder gar nichts, dann fehlen mir die Einstellungen, das so mit den Leuten zu teilen, mit denen ich teilen will. Weil mal wieder doch nicht alle diese oder jene Plattform verwenden und ich niemanden mehr überzeugen mag. Dann läuft es doch einfach nur über WhatsApp oder Telegram. Kurz reinschauen tue ich allerdings immer, das hat sich nicht geändert.

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        • Danke Manuela,
          das mit dem hochglanzperfekt ist ein guter Stichpunkt: Fing schon vor Jahren an mit DSLR Bildern bei Instagram, „INSTA“(!)-gram. Hab bei den Stories noch keine gesehen, aber eigentlich ist das genau ein Grund warum ich sie mag. Es ist (noch) authentisch. Ich mag wenn Leute ihr Hier und Jetzt teilen, so wie sie grade sind und ihre Umgebung wahrnehmen. Mit Pannen und ungeschminkt, im übertragenen aber auch im wahrsten Sinne.
          Ja alles ist verstreut. Alles ist zuviel. Immer mehr Video, wer hat dafür Zeit? Man muss Abstriche machen, kann nicht überall gleichzeitig sein. Ist bei mir auch so klar,…. und ich flüchte wenn es mir zuviel wird. Oder mute…. Ich würde aber niemals etwas posten und dann die Möglichkeiten zu Reaktionen abschalten.

          An das „zu alt“ glaube ich nicht. Die Generation nach uns, geht ja schon ganz anders an sowas ran. Sie reduzieren von vornherein. Kein Facebook, kein Twitter, keine Emails. Whatsapp und vllt Insta und/oder Snapchat. Ende.

          Ihr helft mir mit euern Kommentaren das auch ein bisschen besser einzuordnen.
          Danke

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  2. Ich denke es liegt einfach daran, dass die damalige interessante Phase, in der alles in Bewegung war und jedes neue Startup potenziell etwas Neues und Interessantes bot, einfach vorbei ist. Facebook, Twitter und Co. haben gewonnen, sind Routine geworden und die überhitzte „Aufregekultur“ über alles mögliche lässt viele zum „Muten“ greifen.

    Gleichzeitig haben heute neue Sachen oder Alternativen neben den „Giganten“ praktisch keine Chance mehr, wer sich noch nicht über Ello und Diaspora lustig gemacht hat werfe den ersten „Da ist ja gar nix los“-Tweet!

    Zusätzlich hat sich die Startup-Kultur gewandelt, nahm man „damals“ Leuten noch ab dass sie den Dienst tatsächlich gegründet haben, weil sie ihren Dienst (und dessen Lösung eines wie auch immer gearteten Problems oder Anwendung) gut fanden, so ist die Startup-Szene heute nach meinen Eindrücken wieder vorwiegend von jenen „geldgierigen Psychopathen“ bevölkert, die es schon in der ersten Dot-Com-Tod-Phase um 2000 herum zu bewundern gab.

    Zusätzlich leidet die „Social“-Szene am eigenen Erfolg. In der „guten alten“ Zeit wurde Kommunikation aus Freude an selbiger betrieben. Heute werden „Influencer“ gesucht um über den „Content“ „Marketing“ zu betreiben und die Botschaft einer glorreichen „Brääääänd“ in die „sozialen“ Medien zu bringen. Ich weiss ja nicht wie es Euch geht, aber ich habe nicht die geringste Lust mit meiner Lieblingsbiersorte zu kommunizieren oder vom Hersteller meiner Lieblingsbiersorte „influencente“ Inhalten auf Twitter, Instagram oder sonstwo auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Geschweige denn darüber in Kommunikation zu verfallen.

    Das „Social“-Element lebt heute mehr in Nischen, bspw. in der Näh- und DIY-Szene. Oder unter Fußballfans, da lebt das „Social“-Element noch sehr stark, ich habe darüber in den letzten Jahren viele Leute kennen gelernt. Wie das früher auch „im sozialen Netz“ themen- und szenen-übergreifend üblich war. Aber das ist „rum“, fürchte ich.

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    • Hey Ralf, danke, dass du dir die Zeit nimmst. Da hast du mit einigen Sätzen bessere Worte gefunden als ich, vor allem im vorletzten Absatz. Viele von den Veteranen, wie Flo sie eben im DCB nannte verdienen heute wohl ihr Geld im Umfeld von Social Media und denken eher an Marketing als an …weiß nicht, Emotionen oder Austausch. Ich sage schonmal ganz gern was ich mag und was nicht, Produkte, Musik, Filme, ja auch Biersorten, Food usw., aber dann kommt das in dem Moment grade tatsächlich aus mir raus und ist ungeplant. Ist dann auch eher als Empfehlung oder als ein „hey, ich hab grad nen schönen Moment“ gemeint. Und da weiß ich wiederum, dass das einige tatsächlich interessiert. Ich folge übrigens lieber Menschen als Themen, sagte ich glaube ich schonmal.

      Was ich interessieren würde, wo treffen sich diese Nischen? In Facebook-Gruppen? Bei Whatsapp? Nicht, dass ich jetzt anfangen wollen würde zu nähen… ;D

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  3. Pingback: gruppenkuscheln brew0361 | dailycoffeebreak.de

  4. Asoziale Medien trifft es sehr gut. Irgendwie (fast) überall nur noch Oneway Postings. Egotrips, selfmarketing, … ? Ich überfliege das meiste nur. Bis auf ein paar Kontakte, auf die ich immer genau schaue, die mich persönlich interessieren. Die persönliche Filterblase ist sehr klein geworden, aber sehr Premium, für mich so.

    Wenn man/ich damals™ mal eine Frage hatte, dann wurde das bei Twitter rausgehauen und man bekam umgehend dutzende Antworten. Heute bekommt man die auch, von einer Hand voll Leuten. Und immer von den gleichen netten Menschen. Was ich aber sehr schätze. Oder es geht einfach unter, in der Masse.

    Mein Internetz ist etwas kleiner geworden. Ich weiss jetzt nicht so genau, ob das gut oder schlecht ist.

    Wenn man sich mal überlegt, dass ich ohne dieses Internetz bestimmt nicht in der Schweiz geheiratet hätte, nie einen Burger in Troisdorf gegessen hätte oder auf keinsten einfach mal jemanden in der Domäne Dahlem angesprochen hätte, den ich vorher noch nie persönlich gesehen habe … Alta, ich mag das immer noch, eben eine Nummer kleiner.

    Ich mache mir momentan keinen Schädel mehr wo ich was poste. Freue mich aber immer noch, wenn auf mich reagiert wird. Das große Ganze ist schon irgendwie nicht mehr so ganz social, das Kleine schon. Nischen eben. Ein kleine Berliner Burgerrunde hat mich vor kurzem eingeladen. So einmal im Quartal lecker essen und rumquatschen. Verabredet wird sich über Threema (dafür habe ich das glaub ich nur ;)) und Doodle.

    Man sieht sich. rinjehaun 😉

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    • Ja, das mit dem „sich keinen Schädel machen“ ist ja eben nicht so meins. 🙂 Wenn ich mal soweit bin, ist vieles einfacher.
      Aber es ist schön ist zu sehen, dass es mir nicht allein so geht mit der Wahrnehmung, dass ich nur anders damit umgehe.
      Vielleicht spüre ich das auch mehr, seid ich Path nicht mehr nutze, und das bin ich ja selbst schuld. Vielleicht erwarte ich zuviel von den falschen Leuten oder von allen anderen, denn wer meine kleine vertraute Community ist, weiß ich ja im Grunde ganz genau.

      Danke Björn. Bald gibt’s wieder Burger in Troisdorf, bzw. Siegburg, denn in der Nähe vom Konzert gibt’s nen sehr guten Burgerladen. Den, wo wir waren gibt es leider nicht mehr.

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  5. Ich hab mir da auch schon ein paar Mal Gedanken dazu gemacht. Wahrscheinlich aber auch viel zu viel den Kopf drüber zerbrochen.
    Ich bin nun mal nicht der hippe Trendsetter und keiner dieser Web-Zwanzig-Typen den jeder kennt oder zumindest vorgibt zu kennen. Daher hab ich mich in letzter Zeit auch viel zu sehr zurück genommen. Ich dachte mir, wenn ich nicht den 100%igen Qualitätscontent liefern kann, dann lieber gar nichts.
    „Früher“ hab ich einfach raus gehauen ohne mir da groß Gedanken zu machen. Wird schon jemand lesen und wenn nicht, tut es auch keinem weh. Ich wollte auch mal ein paar Videos auf YouTube einstellen aber egal wie, ich war fand den Kram nie gut genug.
    Es ist zu viel:
    * Selbstzensur
    * Was denken da andere?
    * Die Qualität wäre vor 5 Jahren ok gewesen, heute muss man besseres liefern
    Das mögen nur subjektive Punkte sein aber irgendwie hemmen die es schon.
    Was ich auch fest gestellt habe, je „größer“ ein Account / ein Nutzer wird, desto schwieriger wird es, an sie oder ihn ran zu kommen. In den seltensten Fällen bekommt man da noch eine Antwort auf eine Frage, weil die (scheinbar) zu sehr damit beschäftigt sind, sich selbst zu huldigen oder daran arbeiten, noch mehr „fame“ zu bekommen.

    Danke aber für den Denkanstoß. Mein Fazit, ich sollte wieder mehr schreiben, mehr posten, mehr (mit-)teilen und interagieren und mir weniger ne Platte machen, was andere darüber denken könnten.

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    • Hey danke dir!
      Ich verstehe den Gedankengang und die Zweifel, aber ehrlich gesagt mag ich genau die Posts (Fotos, Videos, Whatever) am liebsten, die eben nicht glattgebügelt sind. Ich liebe Schnappschüsse. Hab weiter oben schon an Manuela ähnlich geantwortet. Mir geht’s da eher ums „Dabeisein dürfen“ und ich freu mich wenn Menschen etwas aus ihrem Leben mit mir im kleinen Kreis oder öffentlich teilen, am liebsten unverfälscht.
      Das „was denken da andere“ bekomme ich auch nie weg, aber manchmal überwiegt das sich mitteilen wollen und auch irgendwie wissen, dass da ne handvoll Leute sind, die sich freuen oder denen es nicth scheißegal ist, oder die ich damit nerve. Und wie Björn das auch schon sagt, eigentlich sind genau die und das wichtig….
      Freut mich, dass ich dir da nen Denkanstoß gegeben hab! Und jetzt leg los… 🙂

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  6. jana und björn sprechen mir aus der seele – wenn das noch eine weile so weitergeht werde ich wohl nur noch bloggen und mich da freuen wenn doch mal jemand sagt – ok, ich habs gelesen. schade für mich ist das path eingeschlafen ist. das war meine kleine familie in der grossen netzwelt…
    und die echte welt iet mir auch gerade ein wenig zuviel…

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  7. Gute Frage, viel habe ich meinen Vorrednern nicht hinzuzufügen. Viele Apps, stets der sofortige Versuch der Kommerzialisierung, auch mangelnder Humor bei vielen die ihren Egotrip fahren. Da kommt dann dieses „Haters gonna hate“ als Schutzbehauptung für all jene die völlig Kritikresistent sind und dies zur Coolness hochstilisieren (wohl eher die harten Fälle, zugegeben) und dann diese fürchterlichen Fakes. Am schlimmsten finde ich das Followereinsammeln, als wäre man auf Pokémon Jagd. Follow, auf Gegenfollow warten, unfollow. Totaler Kindergarten. Bemerke das nach Instagram, wo das mittlerweile echt die Pest ist, auch zunehmend auf Twitter. Dieser Drang nach Masse, nach Aufmerksamkeit. Ich hab früher noch regelmäßig meine Follower bereinigt, schon allein um mich nicht selbst zu verarschen. Heute ist man müde geworden. Leider. Aber hey, weitermachen. Solange es Spaß macht. Und sonst Pause. Auf Null. Erden. Nicht alles so Bierernst nehmen. Das wahre Leben findet woanders statt.

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  8. Wenn Leute im Social Web eine bestimmte Bekanntheitsgröße erreicht haben, dann kann ich das schon sehr gut nachvollziehen, daß sie die Backchannels cutten. Da gibt es einfach keine guten Filtermethoden, um die „guten“ von den „schlechten“ Reaktionen zu trennen.

    Das artet dann richtig in Arbeit aus, denke ich. Einer, der das toll hinbekommt, ist @diplix, Was der aber auch technisch gesehen mit wirres.net anstellt, ist da mMn ziemlich weit vorne: das Blog über diesen Indieweb-Kram überall einzustöpseln und dann die ganzen Verteilungen wieder zu bündeln – Respekt.

    Inhaltlich ist das mit „userem“ Themenspektrum aber schwierig. Sobald sich jemand professionalisiert, verliere ich meist schnell das Interesse. Sei es, weil er/sie plötzlich fast nur noch das eigene Projekt anpreist oder sich selbst im Web so zurücknimmt, um internetberuflich nirgendwo anzuecken.

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    • Danke!
      Das Lustige ist, dass in dem Fall, der mich letztlich veranlasst hat diesen Artikel zu schreiben nicht von Größe die Rede sein kann. Ca 500 Follower, Privates Konto und auch private Post von Familie und Leben. Aber das war auch nur ein Beispiel. Klar, wenn das alles zuviel wird, kann ich das auch verstehen. Ich glaube aber es ist in den wenigsten Fällen ein Problem der zu bewältigenden Masse an Feedback (ich hasse das Wort) sondern Arroganz.

      Wirres.net fiel mir letztens auch nochmal positiv auf. Wollte ich mir mal genauer ansehen, grade das mit der Bündelung, Danke für den Reminder.

      Interesse verlieren, tja… mir wär lieb, wenn die Leute einfach sie selbst wären oder blieben. Von mir aus auch gern in geschlossenen Zweit-Accounts fernab der Business-Scheiße. Wenn sie tatsächlich mit Leidenschaft bei einem Thema, dem eigenen Projekt, vielleicht einem Hobby dabei sind und es auch so rüberbringen, finde ich es gut, auch wenn mich das Thema vielleicht eher nicht interessiert. Ich denke da grad auch an meine Band, weil ich davon fiel teile. Das liegt aber auch dran, dass mir das sehr gut tut und es mittlerweile einen Großteil meiner Zeit einnimmt. Nur als Beispiel.

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  9. Ja, das „Social Web“ ist nicht mehr da, wo wir es damals kennengelernt haben. Und inzwischen auch sonst fast überall verdrängt. Genaugenommen ist es mit dem „Social Media Berater“ gestorben. Wo es heute ist, ist glaub ich von Person zu Person sehr unterschiedlich.

    Auf den Plattformen, die wir alle „in der Blase“ genutzt und damit entstehen lassen haben bestand damals ein kleines, digitales soziales Gefüge. Menschen mit Begeisterung für Neues und für den Austausch. Freies Wissen, offene Kommunikation. Belächelt von allem, was „professionell“ war. Das ist heute lange vorbei. Die großen Plattformen (facebook, twitter und co) sind vollständig professionalisiert und lassen so keinen Raum mehr für das, was sie ursprünglich groß gemacht hat. Man liest (auf facebook noch mehr als auf twitter) wenig persönliches oder gar inhaltlich interessantes und möchte es noch weniger posten, da es inzwischen schon unpassend wirkt. Von facebook im Speziellen wird das auch extrem gefördert – denn wer tatsächlich etwas „schreibt“ statt lustige Videos zu „teilen“ wird mit Sichtbarkeiten unterhalb jeglicher vernünftiger Grenze gestraft. Das animiert den professionellen Nutzer zwar zum öffnen des Geldbeutels, ist für den echten sozialen Nutzer aber nur frustrierend und motiviert zur Nutzung von WhatsApp. Da gibt es verhältnismäßig gigantisches Feedback. Dass facebook trotzdem jegliche Inhalte kennt und auswerten kann ist da nur ein kleiner komischer Aspekt.

    Wenn man dann doch mal eine echte Meinung oder Frage findet geht es dann – in dieser „professionellen“ Welt – auch nicht mehr ums verstehen oder gar konstruktiv antworten wollen. Viel zu oft geht es statt dessen darum, zu demonstrieren, wie blöd der Autor eigentlich ist und ihn nach Strich und Faden zu verhöhnen. Viele scheinen auch zwischen den Zeilen einen Ruf nach „verbessere mich und korrigiere mich!“ zu lesen, der sich mir nicht erschließen will. Da postet jemand ein Foto von etwas, dass ihm wichtig ist – und die einzigen Kommentare, die ich lese spreizen von „ich hab das bessere“ über „das würde ich nicht wollen“ bis zu „das ist aber scheiße fotografiert“. Macht keinen Spaß. Vielleicht ist das auch der Grund, warum viele auch die Kommentarfunktion abschalten. Wenn es keine positiven oder hilfreichen Kommentare mehr gibt, sondern nur noch vernichtende, kann man darauf auch verzichten. Daher gehöre ich auch zu ebenjenen. Ich hab mir vor einem Jahr eine Fotoseite gebastelt – ganz bewusst OHNE Kommentar- oder Like-Funktion – und bin sehr zufrieden mit der Entscheidung.

    Eine „kleine soziale Niesche“ würde mir auch sehr gut gefallen, aber leider habe ich gerade auch keine. Bei den Großen ist sie weg – aber da vermisse ich sie auch nicht. Ich hab sehr auf ello gebaut, da hat es sich aber leider auf guten content beschränkt, das soziale fehlt auch da. Mal sehen. Vielleicht kommt ja noch mal was. Ich freu mich drauf. Bis dahin les ich halt Eure Blogs 😉

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    • Hannes, vielen Dank.
      Auch viel Wahres dran wohl. Mit jedem Kommentar der hier reinkommt glaube ich tatsächlich mehr zu schnallen was abgeht.
      Diese Anti-Haltung bei Fragen hab ich zum Glück lange nicht mehr erlebt, das kenne ich nur aus Foren-Zeiten. Allerdings ist es auch bei twitter nicht mehr so, dass auf jede Frage 12 Antworten kommen, Björn hat das ja auch schon angedeutet. Fällt mir aber jetzt erst auf, wo wir drüber „reden“. Mhm…
      Wenn du von deiner Fotoseite ohne Kommentar-und Like-Funktion sprichst kommt mir sofort der Gedanke : „Ja aber wie sag ich ihm denn dann schnell und einfach wenn mir etwas gefällt?“ Willst du das gar nicht hören? Brauchst du das nicht? Ich brauche es tatsächlich das auch loswerden zu können und bin frustriert wenn mir das erschwert wird oder verwirrt wenn ich denke man will es nicht hören. Und ich bin auch immer noch jemand, der nicht nur doppeltappt für ein Herz sondern auch gern ein paar Worte da lässt zur Erklärung. 🙂

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      • Natürlich freut es mich, wenn das jemand macht. Sehr sogar. Es hat mich aber auch oft in einem unvernünftigen Maße belastet, wenn bewusst vernichtende Kommentare sich gehäuft haben. Immer wieder habe ich lange gegrübelt, ob und was da jetzt dran sei. In der Hälfte der Fälle bin ich zum Schluss gekommen, dass es nur der Genuss am Zerstören und Demotivieren war – vermutlich war es tatsächlich nicht nur die Hälfte sondern eher 90%. Als diese Feedbacks dann aber deutlich Überhand bekamen und ich schon so demotiviert war, dass ich gar keine Fotos mehr gemacht habe, habe ich mich zu diesem Schritt entschieden.

        Einen Kommentar zu verfassen ist einfach zu leicht – und direkt unter einem Foto sorgt so ein Troll-Kommentar auch gleich für die passenden Folgekommentare und färbt die Diskussion trollig ein. Alle Trolle sammeln sich dann, um gemeinsam in die begonnene Kerbe zu schlagen. Das war auch sehr oft so: An vielen Stellen, an denen ein Foto auftauchte, waren die Kommentare total unauffällig, an einer Stelle ist es dann völlig explodiert. Auf meiner Seite (falls Du schauen magst hannes.trapp.photos) hab ich mich daher im Bezug auf die sozialen Medien auf Teilen-Buttons beschränkt. Denn EIGENE Posts mit den ach-so-beschissenen Fotos ist den Trollen dann doch zu uninteressant. Den Hass streut man wohl lieber woanders, als vor der eigenen Haustüre, wo es zudem noch der eigene Freundeskreis – anstelle der des gewählten „Opfers“ – sehen würde.

        Seitdem ist eigentlich Ruhe. Geteilt wird zwar auch fast nie – aber wenn das alle Jubeljahre doch mal passiert, freu ich mich darüber umso mehr. Und das Negative ist eigentlich weg. Passt also. 😉

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        • Verstehe. Das ist mir zum Glück noch nie selbst passiert. Hab nochmal geschaut bei dir und kannte fast alle Bilder. Wo hab ich die denn früher geliked? Flickr? Ipernity? Pinterest? Ich glaub es gibt genügend Hemmungen Fotos eines Fotografen zu teilen weil viele dann ausflippen und Ärger machen, auch wenn Sharing Buttons dabei stehen.

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  10. Es ist sicher bei jedem anders und von allem ein bisschen. Das Internet ist eben nicht mehr der kleine Haufen von Nerds, Early Adoptern und so. Früher hab ich meine Twitter Timeline nach dem Aufstehen oder nach der Arbeit durchgeschaut um auf dem laufenden zu sein. Das schaffe ich heute nicht mehr. Also lass ich mich über Updates von einzelnen informieren per push. Wenn da dann aber zu viel Content kommt der mich nicht interessiert, sorry liebe eltern aber ich hab mit euren Kindern nichts am Hut, oder zu viel Kryptisches, dann landen sie in Listen und bleiben am Ende auf der Strecke weil ich da nicht mehr rein schaue. So ist es bei Twitter und in anderen Netzwerken schon ähnlich.

    Kommentare zu interessanten Beiträgen, egal ob Facebook oder Blogs liest man auch kaum noch. Weil man so viel Schwachsinn zu lesen bekommt, dass man das Gefühl hat es ist Zeitverschwendung. Das Internet ist eben im Mainstream angelangt und damit sind die „Perlen“ auch nicht mehr so leicht zu finden.

    Natürlich haben wir uns auch alle weiterentwickelt. Wir werden älter, verlagern Prioritäten, bekommen Nachwuchs und noch ein Business auf und noch eins und noch ein Projekt.

    und ganz nebenbei bemerken wir alle auch noch das selbe wie du hier geschildert hast und so macht es uns auch keinen Spaß mehr uns noch einzubringen. Erinner dich doch noch an unsere Projekte auf Ipernity. Wir haben alles geschaut von den anderen und kommentiert und Tipps gegeben und diskutiert und geteilt. Das macht doch kaum noch einer von uns. Nach dem ich 2005/2006 einer der ersten Vlogger in Deutschland war, habe ich wieder mit dem vloggen angefangen. 301 Vlogs auf YouTube, täglich habe ich mich 3 bis 4 Stunden hingesetzt und geschnitten und jeden Tag ein neues hochgeladen und ich bilde mir ein das die auch gar nicht schlecht sind. Feedback habe ich aber so gut wie gar nicht bekommen. Wenn aber nicht mal Bekannte und Freunde mal liken, Kommentieren und auch mal teilen, dann fragt man sich erstens warum noch und ob es nur der Spaß daran dann noch bringt und kommt natürlich auch nicht gegen 14 Jährige Mädchen mit Schminkvideos an. Lustigerweise beschweren wir uns aber auch, dass nur noch sowas auf YouTube zu sehen ist.

    Am Ende haben wir es eben selbst in der Hand, wenn wir uns mehr Aktivitäten wünschen müssen wir auch wieder aktiver werden und nicht nur konsumieren. Filterbubbles werden immer kleiner, wenn wir nicht ab uns zu mal unsere zum platzen bringen.

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