Artikelformat

Google Reader macht Winke-Winke, und jetzt?

20 Kommentare

Ja ja, ich weiß, ihr könnt es schon nicht mehr lesen und hören, aber ich halte trotzdem mal ein paar Gedanken fest zu diesem Thema.

Google Reader

Was heißt das denn jetzt? Für mich, für euch, für Google?! 

In einem älteren Artikel hab ich schonmal versucht zu erklären, wie mein Workflow beim Lesen und Teilen von interessanten Beiträgen aussieht. Google Reader ist da nach wie vor ein zentraler Bestandteil. Momentan schaue ich mindestens einmal täglich rein und zwar am Desktop, abends im Bett am iPad oder bei der Pendelei im Zug am iPhone. Lese selten, sondern scanne die Headlines, drücke „S“ (oder tappe den Stern, oder slide fein nach links) bei Beiträgen, die ich mir später ganz durchlesen oder teilen will, wenn ich Zeit dafür hab und ziele dann auf ein „Inbox Zero“-mäßiges „Alles gelesen“… was in sofern nicht stimmt, aber wenigstens hab ich schonmal vorgefiltert. Anyway, damit fühle ich mich ganz gut. Hab schonmal zumindest mitbekommen, was so die Themen grade sind. Die mit Stern versehenen Beiträge landen dank IFTTT bei readability, wo ich (meist am Mac) dann später schaue, was ich mit den Beiträgen mache. Z.B. zu G+, Pinboard, twitter, Evernote, Pinterest, oder mal per Mail an Kollegen oder wen auch immer.

Am Mac nutze ich Google Reader direkt im Browser (Chrome), am iPad bisher Mr. Reader und am iPhone Reeder. Letztere synchronisieren sich Stand heute komplett über den Google Account mit dem Reader, heißt, sie sind im Juli funktionsuntüchtig, wenn der Google Reader beerdigt wird. Reeder hat sich allerdings schon positiv auf twitter geäußert dazu. (Man sollte diesen Artikel hier nicht laut lesen, merke ich grade… Reeeeeedaaa-Wahn).

Also mal nach Alternativen schauen. Aber was bedeutet denn jetzt „Alternative“? Für mich zum Einsammeln von Tech-News, Blog-Artikeln, Fotos und Videos von Freunden und für meinen Workflow bedeutet das, ich brauche ein neues Auffangbecken. Davon gibt es einige, wenngleich viele heute Google Reader voraussetzen.

Wie immer erstmal gucken, ob und wo man den Kram exportieren kann. Takeout ist das Zauberwort. Klappt gut, warf bei mir ein ca. 11 MB großes Zip raus mit .json-Files.

Angeregt von diesem Artikel (Danke Manuela) hab ich mal versucht die „Starred Items“ bei Pinboard zu importieren. Das schlug fehlt. Der Support schrieb mir allerdings kurz danach, dass es ihm aufgefallen wäre und er das Problem gefixt hat. Wow, nicht schlecht. Allerdings gefiel mir der Import nicht. Massen an für mich unnötigen Tags und Einträgen, die ich dann direkt wieder gelöscht hab. Aber ich weiß jetzt, dass es funktioniert.

Ich hab mir feedly nochmal angesehen und die Apps auf dem iPad und iPhone installiert. Das gefällt mir schon ziemlich gut und wenn feedly Wort hält, würde man beim Abschalten von Google Reader im Sommer nichts mitbekommen, weil feedly im Hintergund auf eigene APIs umstellt (Normandy). Vorausgesetzt man hat vorher schon importiert oder jetzt mit Google Reader verknüpft. Ich mag den Magazinstil (ähnlich Flipboard) beim Lesen nicht so sehr, aber es gibt auch Listenansichten. Mir fehlt auch u.a. eine Sharingoption für Quote.fm. Aber Pocket ist z.B. nahtlos integriert und könnte bei mir dann tatsächlich mal readability ablösen.

feedly feedly feedly feedly feedly iPhone feedly iPhone

fever – von vielen gelobt – klingt nach einer guten Wahl, allerdings nicht für solche, die weder genügend technisches Wissen noch einen eigenen Server mitbringen oder nicht $30 investieren wollen.

Bei The Old Reader kommt man momentan nicht weit. Engpässe, wie auch olle Moellus festgestellt hat. Bloglovin‘ ist mir zu rudimentär, hilft aber auch.

Dann gibt’s noch feedbin und prismatic. Beide ungetestet.

Und weitere Hoffnung steckt in Digg. Aber warten wir erstmal ab. Die Petition wird glaube ich nicht viel bringen. Ich habe aber natürlich gesigned…

Soviel zum Reader und eventuellen Alternativen aus meiner Sicht als Konsument.

Aber was bedeutet das für Blogger?

Ricarda hat das hier ganz treffend fomuliert. Wir erschweren den Lesern und Interessenten das Auffangen von Inhalten und News. Die Leserschaft könnte bei vielen wegbrechen. Schon vor Jahren hieß es „RSS ist tot“, ich persönlich sehe aber weder in twitter noch in sonstigen Streams bei facebook oder Google+ oder wo auch immer eine richtige Alternative. Zumindest nicht für alle. Es ist doch ein ganz anderes Konsumverhalten. Beiträge gehen viel schneller unter in den Massen von Tweets z.B. Man will ja auch keine Feeds im E-Mail-Postfach, naja gut einige wollen das tatsächlich… Aber nicht umsonst habe ich vor Monaten meine Leser mal gefragt, wie sie die Artikel lesen. Die meisten tatsächlich im Feedreader und das wird nicht nur hier der Fall sein. Nutzt ihr die Feedburner-Abos? Tja, Feedburners Sarg steht ja auch schon bereit.

Was sagt das Abschalten von Google Reader über Google aus?

Ich bin ein bekennender Fan von Google, nach wie vor. Mir ist auch ganz klar, dass es immer wieder solche „Spring Cleanings“ geben wird. Doof und mitunter katastrophal, wenn dabei Werkzeuge über die Wupper gehen, die man liebt oder braucht oder beides. Ich kenne die Hintergründe in dem Fall nicht, weiß nicht ob man die weitere Pflege nicht mehr betreiben will, ob in Googles Augen (durch Glass verzerrt vielleicht?) die Nutzerschaft zu gering oder zu nichtig ist. Aber ich würde mir wüschen, dass eben jene vorher mal an einer solchen Entscheidung beteiligt werden. Ich würde für den Google Reader z.B. auch zahlen.

Ich bin gespannt was sich jetzt tut. Welche neuen Tools an den Start gehen und wie sich das Leseverhalten verändern wird. Hoffen wir mal das was Schönes für beide Seiten dabei herausspringt. Für Leser und Autoren.

PS: Danke für’s Lesen. Warscheinlich mit Hilfe des Readers, oder?

Magst Du diesen Artikel?
0

20 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Ne, ohne den Reader, sondern durch deinen Hinweis auf Google+ gefunden 😉 Hatte mich zum Google Reader bzw. der Berichterstattung dazu ein wenig ausgelassen und meinen Senf losgelassen (hab ja meinen Blog verlinkt).
    Die Welt wird sich weiter drehen und in nächster Zeit werden wir noch eine Vielzahl von Feedreadern sehen.

    Antworten

  2. Ich bin ausnahmsweise über Twitter gekommen. Meist jedoch lese ich per Reader. Bis vor Kurzem habe ich meine geliebten und die informativen Feeds per Reeder gelesen. Danach hatte ich eine Weile Feedly im Einsatz. Das gefällt mir ganz gut, vor allem unter iOS. Nur so richtig warm werde ich damit trotzdem nicht. Gestern habe ich meine uralte Fever-Lizenz wieder aktiviert und meinen Reader-Export reingeschaufelt. Das ist eigentlich auch klasse. Optisch ein wenig angestaubt, aber bis auf die zig Sharing-Optionen, die im Vergleich zu Reeder fehlen, liesse sich damit gut arbeiten. Worüber das Netz spricht, sieht man mit einem Blick, am Fever ;-).

    Ich habe mich aber wohl an den Google Reader gewöhnt – das einzige Produkt neben Mail, das ich täglich verwendet habe. Und so hoffe ich auf eine nahtlose Variante, wie sie Reeder oder Feedly versprechen. Und ich hoffe auf eine App.net Entwicklung. Das wäre ja jetzt eine große Chance hier richtig gut zu landen. Bleibt spannend, aber es tut weh. Und es macht mir bewusst, dass – auch wenn ich für einen Dienst zahle – er trotzdem nicht „für immer“ verfügbar sein muss. Das verdeutlicht man sich viel zu wenig heute in der Cloud.

    Antworten

  3. Bin via Feedly reingeschneit und habe auch von dort „geinsplust“.

    Wie eben schon gesagt, bin ich momentan (oder wiedermal) mit Feedly unterwegs. Die iOS Apps gefallen mir richtig gut, an die Weboberfläche muss ich mich noch gewöhnen. Eine Mac App wäre nicht schlecht.

    Fever habe ich installiert, gefällt mir überhaubt nicht. Diese „Hot“ Funktion ist schon ganz schnafte. Aber das Design der Weboberfläche sagt mir überhaupt nicht zu und die fehlenden iOS Apps (ok, iPhone Reeder kann es wohl) runden meine persönliche Feverkurve nach unten ab.

    Mit etwas Glück hat die Einstellung des Google Readers auch einen Vorteil, vllt. stürzen sich die Entwickler wieder mit voller Kraft auf RSS wie einst wir Ossies auf die Bananen (Gerücht!) 😉

    Antworten

  4. Mir geht’s ähnlich wie dir. RSS ist meine Hauptquelle für die täglich (Über-)Dosis an Informationen. Werde feedly und Fever mal testen. Was selbst gehostetes wäre mir durchaus recht, wenn man mit diversen Apps darauf zugreifen kann.

    Gelesen und kommentiert im Reeder aufm Mac. 🙂

    Antworten

  5. Kann gerade nicht lange Mailen. Hast Du Dir schon einmal Taptu (Link: taptu.com) angeschaut? Feedly ist deutlich stylisher, aber gerade für Jemanden wie mich, der hauptsächlich mobil verteilt, also via Handy, ist der Service auf Augenhöhe mit Feedly. Sag ich mal .. 🙂

    Antworten

      • Ich wollte die Variante nur genannt haben. Ist mir persönlich auch zu viel. Und, erhlich gesagt, auch zu hässlich. 😉

        Ich muss hier gestehen: hässliche Sachen nutze ich einfach nicht, auch wenn sie noch so funktional passend sind. Ist eine große Schwäche, ich weiß.

        Antworten

  6. Der Bedarf an technischem Wissen beim Einrichten von Fever° hält sich allerdings in Grenzen. Liegt dann wohl mehr an den 30 Dollar, die man dafür berappen muss.

    Antworten

  7. Ich lese nur noch über Flipboard und habe sogar Verständnis für Google. Die Art und Weise ist falsch, denn die hätten locker die Power die Feeds einfach in Google+ zu ziehen. Jetzt gehen viele zu Twitter usw.

    Antworten

  8. ich bin über feedly gekommen – nachdem ich gestern schon alternativen gesucht habe. gefällt mir gut…

    ich fürchte ohne rss würde mir viel entgehen. ich bin ziemlich undiszipliniert was die leserei angeht aber wie du ein „alles gelesen“ – mensch. und so lese ich ein- bis zweimal am tag im reader quer, oder dann original genau…

    Antworten

    • genau, ich würde zb dein und janas artikel erstmal nicht mitbekommen. darum geht es mir ja auch… eben zu sehen was kann man mit wenig aufwand tun auch als blogger ohne dass die leute verschwinden

      Antworten

  9. Pingback: Alternativen zum Google Reader | nullenundeinsenschubser

    • Nütze NetNewsWire auf dem Mac und läuft stabil. Unterstützt Google, es besteht auch die Möglichkeit Feeds lokal zu speichern.

      Antworten

  10. Pingback: Wochenrückblick 11/2013 | Kristine Honig

  11. Pingback: Google räumt auf » einheiTZbrei

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.